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SHISHA PANGMA
8013m
EXPEDITION
TIBET 25.4.98-3.6.98
Reisetagebuch von Andrea
Linauer
Sa. 25.4.98 Flug von Wien nach Delhi
Ankunft um 21.00 Uhr in Delhi, nach einem kurzen Fußballspiel
in der Halle bekommen wir sofort unser Gepäck und gehen in
den Transitraum. Wir verbringen die Nacht auf unseren Packsäcken
und Sesseln.
So. 26.4.98 Flug von Delhi nach Kathmandu
Da unser Weiterflug gestrichen ist, haben wir den ganzen Tag in
Delhi im Transitraum verbracht. Das heißt schlafen, schlafen,
Fußball spielen und Karten spielen bis wir um 22.00 Uhr, nach
hartem Kampf um die Tickets, nach Kathmandu fliegen. Wir kommen
erst nach Mitternacht an und werden direkt ins Hotel Gauri Shanker
gebracht, wo wir nur noch die Zimmer beziehen und endlich in einem
ordentlichen Bett schlafen.
Mo. 27.4.98 Kathmandu
Gleich nach dem Frühstück ist Tenzing, mein Sherpafreund
von früheren Nepalreisen, bei mir im Hotel und wir tauschen
Briefe aus und plaudern über vieles. Tenzing wird meine Anlaufstelle
in Kathmandu für Meldungen von unterwegs. Danach fahre ich
zu Mingur, die ich auch von früher kenne, in die Teppich- Fabrik,
um auch mit ihr zu plaudern. Sie empfängt mich gleich und wir
gehen zu ihr nach Hause. Dort lerne ich ihre Mutter und ihren fünf
Monate alten Sohn kennen. Wir besprechen das Muster für den
Teppich, den ich für meinen Bruder bestelle, durch, und danach
plaudern wir noch ein wenig. Doch bald darauf gehe ich zurück
in den Thamel um einige Besorgungen zu machen. So kaufe ich für
einige Freunde und mich schon Souveniers. Die restliche Gruppe ist
den ganzen Tag mit einer Stadtführung beschäftigt.
Am Abend übergebe ich die bereits geschriebenen Postkarten
an Tenzing, sowie ein Fax an zu Hause, bevor wir zu Abend essen.
Wir packen noch für die Reise, da ein Teil des Gepäcks
gleich ins Basislager gebracht wird und wir nur einen kleinen Teil
nach Lhasa zum Akklimatisieren mitnehmen.
Di. 28.4.98 Flug von Kathmandu nach Lhasa
Wir fliegen von Kathmandu weg, über die Himalayakette und
daher an vielen Achttausendern vorbei, wie Everest, Lhotse, Cho
Oyu, Shisha Pangma, Makalu und Kantschtsentschenga. Danach sind
wir über der braunen tibetischen Hochebene wo nur vereinzelt
weiße Berggipfel herausragen. Die 100km vom Flughafen nach
Lhasa fahren wir in einem Bus, mit dem wir auch in den nächsten
Tagen unterwegs sein werden.
Vor dem Abendessen im Hotel pilgern wir noch schnell zum Potalapalast,
damit wir das berühmteste Bauwerk von Lhasa, den Palast der
Buddisten, gesehen haben. Ebenso gehen wir noch durch den Markt
vor dem Palast und stellen fest: wir sind in China - was sich beim
Abendessen noch mehr verdeutlicht, weil wir nur Stäbchen bekommen
und auch sonst das Essen typisch chinesisch ist. Die Leute im Hotel
verstehen auch nur chinesisch. Wir machen noch einen Spaziergang
durch das nächtliche Lhasa, das nur gering beleuchtet ist.
Mi. 29.4.98 Lhasa Besichtigungen
Am Morgen besuchen wir den Potala Palast. Es ist möglich,
einige Räume im Inneren zu besichtigen und auf das Dach zu
steigen, von wo aus man einen guten Überblick über Lhasa
hat. In den Räumen ist fotografieren verboten, außer
man bezahlt horrende Summen für jedes Foto, das aber vermutlich
doch nichts wird, weil es zu dunkel ist. In jedem Raum sitzt ein
Lama, der genau kontrolliert, damit niemand fotografiert. Mittagessen
gehen wir in das Restaurant vor dem Palast.
Leider ist den ganzen Tag schlechtes Wetter, teilweise regnet es
und so werden die Fotos von den Golddächern leider nicht so
gut wie bei Sonnenschein. Danach fahren wir weiter in den alten
Stadtkern von Lhasa mit noch ursprünglichen Bauten, wo inmitten
der Yokhang Tempel steht. Nach dieser Besichtigungstour gibt es
Abendessen im Hotel, weil es ansonsten anscheinend kein gutes Restaurant
gibt. Schön langsam gewöhnen wir uns an das Essen mit
Stäbchen und an den etwas anderen Geschmack. Auch haben wir
in der Zwischenzeit eine Zeichensprache, die die Kellnerinnen verstehen
und wir schaffen es schon unsere Getränke ohne Dolmetscher
zu bestellen.
Do. 30.4.98 Kloster Drepung; erste Akklimatisationstour
Nachdem wir Hans, einen Patienten aus der Expeditonsgruppe, mit
einem Lungenödem ins Krankenhaus gebracht haben, geht es erst
gegen elf Uhr los. Wir fahren mit dem Bus zum Kloster Drepung in
der Nähe von Lhasa. Im ganzen Kloster sind kaum Priester zu
sehen und auch nur wenige Kinder, alles wirkt nicht wirklich benutzt,
sondern ist nur zum Herzeigen gerichtet.
Nach einer ausführlichen Besichtigungstour steigen wir auf
den Berg hinter dem Kloster. Zuerst entlang des Pilgerpfades, danach
einen Bergrücken hoch. Wir kommen nicht ganz bis zum Kloster
auf dem Berg, da uns die Zeit relativ kurz wird. Hinunter gehen
wir auf dem nächsten Rücken und haben noch einmal einen
tollen Blick zum Kloster.
Zum Abendessen sind wir wieder im Hotel, danach spielen wir noch
Bridge bis Mitternacht, wir haben die sechs Stunden Zeitverschiebung
noch nicht ganz verkraftet. Mittags bin ich immer todmüde,
doch kann ich vor Mitternacht nicht einschlafen, morgens komme ich
dafür fast nicht aus dem Bett. Oft wache ich auch mitten in
der Nacht auf und bin total munter. Da Lhasa auf 3650m liegt, schläft
man auf Grund der Höhe auch nicht besonders.
Gehzeit: 5h Höhendifferenz: 700m
Fr. 1.5.98 Fahrt nach Jambujen
Am Morgen besuche ich noch einmal den Potala Palast zum Fotografieren,
da wir endlich blauen Himmel haben. Auf dem Platz davor findet eine
große Veranstaltung der Chinesen statt, wie immer sind keine
Tibeter zu sehen, am Markt wird alles mögliche angeboten. So
viele Uniformierte wie hier habe ich noch nie gesehen.
Danach fahren wir nach Jambujen. Von dort gehts mit dem Bus in
ein Tal bis auf 4700m hinauf, wir gehen noch bis 5000m zum Akklimatisieren,
damit wir möglichst hoch oben waren. Danach gehts mit dem Bus
zurück in die Ortschaft die auf 4300m liegt. Bei sehr starkem
Wind stellen wir unsere Zelte auf und verkriechen uns danach in
den Bus zu einer Speckjause mit Brot und Käse. Unsere Küchenmannschaft
kocht uns danach noch eine Suppe. Die erste Nacht auf 4300m ist
nicht so schlimm, ich wache nur ein paar Mal wegen großem
Durst auf.
Gehzeit: 1,5h Höhendifferenz: 300m
Sa. 2.5.98 Akklimatisationsspaziergang
Gleich um acht Uhr gibt es Frühstück mit Eierspeise und
Palatschinken. Wir starten auf den nächstbesten Berg der fast
6000m hoch ist. Zuerst geht es über eine Stunde eben dahin,
bis es endlich zu steigen beginnt. Langsam kämpfen wir uns
den Bergrücken entlang, hoch. Die Gruppe ist auf vier nebeneinander
liegende Rücken aufgeteilt und in verschiedenem Tempo unterwegs.
Ich bleibe auf ca. 5400m auf einem kleinen Aufschwung zum Rasten
sitzen und erkläre diesen danach zu meinem Gipfel. Ich trinke
den Rest des Wassers aus und mache mich auf den Weg nach unten.
Den ganzen Tag habe ich nur zwei Müsliriegel gegessen, daher
nasche ich jetzt im Bus Kekse bis zum Abendessen um 19.00 Uhr. Auch
geht wieder der Sturm und fast die ganze Manschaft ist im Bus um
sich ein bisschen zu schützen.
Ein ganzes Rudel tibetischer Kinder belagert uns. Nach dem Abendessen
spielen wir Volleyball auf einem sehr unebenen Feld, bis die Sonne
untergeht und der Wind wieder zu stark wird. Wir gehen erst um halb
elf Uhr schlafen, da wir morgen einen Rasttag haben.
Gehzeit: 8h Höhendifferenz: 1100m
So. 3.5.98 Jambujen; Wir verlegen das Lager auf 4800m Höhe
Am Morgen packen wir unsere Sachen und danach fahren wir zu den
heißen Quellen des Ortes, wo ein Schwimmbad ist. Wir spielen
in dem ca. 35°C warmen Wasser lange Volleyball, was uns jedoch auf
4300m Höhe ziemlich anstrengt.
Nach dem Mittagessen verlegen wir unser Lager in ein einsames Tal
auf 4800m, denn die Bevölkerung des Ortes wird ziemlich lästig,
sie belagern ständig unsere Zelte und betteln. Hier heroben
ist es bedeutend ruhiger, obwohl sofort auch Kinder bei uns sind,
die uns aber mehr bestaunen und nicht betteln. Wir machen noch einen
kurzen Spaziergang auf über 5000m, damit wir gut schlafen.
In der Nacht werde ich ständig vom Durst geplagt und bekomme
Halsweh und Schnupfen. Ich nehme an, dass das warme Wasser vom Schwimmbad
und die doch sehr kalte Außentemperatur schuld an meinen Beschwerden
sind, denn am nächsten Morgen klagen auch noch viele andere
aus der Gruppe. Ich kann auf alle Fälle kaum schlafen und stehe
unausgeschlafen auf.
Gehzeit: 1h Höhendifferenz: 200m
Mo. 4.5.98 Berg: 5600m Höhe
Am Morgen brechen wir auf, um auf einen der umstehenden Hügel
zu gehen. Zuerst geht es lange durch kahle Wiesen an einem alten
Kloster vorbei, weiter bis zu einem Schotterhang, bevor wir weiter
oben zu etwas Schnee gelangen. Den ganzen Tag ist es bedeckt und
eher unfreundlich. Um drei Uhr nach dem Mittagessen, fahren wir
hinunter und zurück nach Lhasa. Der Großteil der Mannschaft
ist verkühlt und nicht ganz fit, doch ist Schlafen auf der
Heimfahrt bei den schlechten Straßenverhältnissen nicht
möglich. Im Hotel in Lhasa gehen wir Abendessen, jedoch sind
die Portionen sehr klein und wir stehen mit Hunger auf. Zum Glück
habe ich ein bisschen Jause aus der Heimat mitgebracht. Wir bekommen
auch nur für eine Stunde Warmwasser zum Duschen zur Verfügung
gestellt, aber es ist ein Genuß nach einer Woche im Staub.
In dieser Nacht schlafe ich zehn Stunden wie ein Murmeltier.
Gehzeit: 7h Höhendifferenz: 800m
Di. 5.5.98 Fahrt nach Shigatse (3900m)
Nach dem Mittagessen im Restaurant unter dem Potalapalast, fahren
wir über eine noch ganz gute Straße. An ihr wird immer
wieder gearbeitet und wir müssen öfters warten. Das ganze
Tal ist kahl und eine einzige Schotterhalde, auch das Wetter ist
heute wieder nicht besonders. Nach fast sechs Stunden Fahrt kommen
wir in Shigatse, der zweitgrößten Stadt in Tibet an,
und steigen in einem riesigen Hotel ab. Es hätte sicher für
einige hundert Leute Platz, jedoch sind nur einige wenige Touristengruppen
hier. Das Hotel ist jedoch besser als das in Lhasa, es gibt sofort
warmes Wasser und auch das Essen am Buffet ist ausreichend und sehr
gut.
Mi. 6.5.98 Fahrt von Shigatse nach New Tingrie (Taschilumpo:
4300m)
Wir besuchen am Morgen das Kloster Taschilumpo, wo wir endlich
halbwegs gutes Sonnenlicht zum Fotografieren der goldenen Dächer
haben. Danach fahren wir den ganzen Tag über eine immer schlechter
werdende Straße mit nur einer Lunchpause, die wir zum Volleyballspielen
nutzen. Wir überqueren zwei Pässe mit 5200m und 4800m.
Während der Fahrt bekommen wir am Abend den Mt. Everest und
den Cho Oyu zu sehen, doch werden sie teilweise von Wolken verdeckt.
Das Hotel in dem wir absteigen, ist zwar wieder groß, doch
sehr schlecht. Heißes Wasser gibt es gar nicht und das Badezimmer
ist sehr schmutzig, auch das Essen ist nur sehr dürftig.
Do. 7.5.98 Fahrt von New Tingrie zum Motor Camp (5000m)
Wir haben auf der Strecke einen guten Blick auf den Mt. Everest
und den Cho Oyu. Die Straße ist schon sehr schlecht, doch
nach der Abzweigung zum Motor Camp ist die Straße nur noch
zu erahnen. Wir sind in Sichtweite des Shisha Pangma, doch er hüllt
sich in Wolken und so stellen wir unsere Zelte auf. Das Abendessen
nehmen wir im Gemeinschaftszelt auf Tisch und Sesseln ein und danach
verkriechen wir uns bald in unsere Zelte.
Fr. 8.5.98 Motorcamp
Wir warten bis um neun Uhr mit dem Aufstehen, da um diese Zeit
die Sonne erst auf die Zelte scheint. Um halb elf, nach einem gemütlichen
Frühstück, gehe ich zum Fluß Zähne putzen.
Das gemauerte Klo besteht aus drei nebeneinander liegenden Schlitzen
im Boden, die alle drei voll sind, ich gehe nur ungern dort hin.
Nachmittags machen wir einen gemütlichen Spaziergang über
ein paar Hügel. Am Abend sitzen wir bis zehn Uhr im Gemeinschaftszelt.
Die Nacht ist eisig kalt und es schneit bis zu uns herunter.
Gehzeit: 2h Höhendifferenz: 200m
Sa. 9.5.98 Aufstieg ins ABC (5600m)
Am Morgen nach dem Frühstück packen wir die Sachen für
die Jaks. Erst um ca. 10 Uhr gehe ich waschen. Weil es in der Nacht
so kalt war, muß ich zuerst eine drei bis fünf Zentimeter
dicke Eisschicht durchschlagen, um zum Wasser zu gelangen. Entsprechend
kalt ist auch das Wasser, und es reicht gerade für eine Katzenwäsche.
Es wird elf Uhr bis wir zu Fuß aufbrechen, wir balancieren
mit dem Rucksack über den teilweise gefrorenen Bach, danach
gehts weiter über eine Hügellandschaft bergauf. Wir marschieren
gemeinsam weg, doch nach zwei Stunden bin ich bei der Pause schon
die mit Abstand Letzte. Danach laufen sie auch noch mit den Jaks
mit und ich sehe bald niemanden mehr aus der Gruppe.
Der flache Weg führt über Schotterhügel und Wiesen
über 20km hinauf ins Basislager. Ich komme nach sieben Stunden
zum Zeltplatz, wo schon ein paar Zelte stehen. Wir stellen gemeinsam
noch drei Zelte auf und ich muß immer wieder Pause machen,
da dies sehr anstrengend ist, vorallem das Steinetragen um die Zelte
zu beschweren. Beim Abendessen jammern fast alle über Kopfweh
und Übelkeit. Edi, unser Expeditionsleiter, hält eine
Strafpredigt, weil alle zum ABC viel zu schnell gelaufen sind. Ich
habe keinerlei Beschwerden, merke aber allgemein, daß ich
für alles länger Zeit brauche und immer aufpassen muß,
um mich nicht zu überanzustrengen.
In der Nacht geht ein eisiger Wind und es schneit wieder einmal
bis zum Lager herunter. Ich muß zweimal hinaus aufs Klo, in
der Früh legt sich aber der Sturm, das Schlechtwetter zieht
ab und der Berg ist klar zu sehen.
Gehzeit: 7h Höhendifferenz: 700m
So. 10.5.98 Basecamp: 5600m
Die Höhe und die gestrige Anstrengung bewirken, daß
nicht alle zum Frühstück erscheinen.. Wir bekommen den
Tee ins Zelt serviert als die Sonne mit voller Kraft scheint, erst
ab halb zehn ist die Daunenjacke nicht mehr notwendig.
Eine Tibeterin die sich gestern mit einem Container eine Sehne
in der Hand abgeschnitten hat, hat leichtes Fieber bekommen. Ein
Tiroler Arzt hat die Haut zusammengeklammert und die Wunde verbunden.
Sie bekommt starke Antibiotika und eine Infektion ist auf dieser
Höhe sowieso fast nicht möglich.
Durch das langsame Akklimatisieren habe ich eigentlich keine Probleme
beim Denken oder ähnliche Beschwerden, die auf dieser Höhe
leicht vorkommen könnten. Der kleine Bach der durch das Lager
führt, taut den ganzen Tag nicht auf und es schneit auch während
des Tages immer wieder. Am Abend mache ich über die Schotterhalde
einen Spaziergang Richtung Lager I. Nach einer Stunde auf und ab,
aber keinem Höhengewinn, drehe ich um. Da es ununterbrochen
schneit, kann ich auch nicht sehen, wie sich der Weg weiter nach
oben fortsetzt. Am Abend wird es wieder eisig kalt.
Gehzeit: 2h Höhendifferenz: 100m
Mo. 11.5.98 Bascamp
Große Aufbruchstimmung nach dem Frühstück, fast
alle tragen ihre Sachen Richtung Lager I. "Engl", unser Kamerad,
ist nach seinem Durchfall nicht voll fit und macht noch einen Tag
Pause. Erich hat Durchfall und leidet im Zelt, mich hat es auch
erwischt. Ich pendle zwischen Klozelt und Schlafsack, ernähre
mich von Paspertintropfen und Bioflorin, gegen den Flüssigkeitsverlust
trinke ich Schwarztee pur, in rauhen Mengen. Draußen schneit
es leicht. Wir haben Funkkontakt zum Team oben, nur Michi, Peter
und die drei Sherpa erreichen Lager I, alle anderen gehen nur zu
den Depots auf 5800m oder 6000m. Die Letzten kommen erst um 20.00
Uhr ins Basislager zurück. Abendessen gibt es erst für
alle gemeinsam und so verbringe ich die Zeit im Zelt beim Lesen.
Di. 12.5.98 Basecamp
Mir geht es besser, nur in der Früh habe ich noch leicht Durchfall,
ich esse im Laufe des Tages zwei Schnitten vom heimischen Schwarzbrot
und ein paar Kekse, die ich nach den Tabletten auch bei mir behalte.
Am späten Nachmittag gehe ich auf den Hügel hinter den
Zelten zum Akklimatisieren. Ich sehe viel beim Bridgespielen zu
und schön langsam lerne auch ich dieses Spiel. Morgen wollen
fast alle auf Lager I zum Schlafen gehen.
Gehzeit: 2,5h Höhendifferenz: 250m
Mi. 13.5.98 Depot: 6000m Höhe
Ich marschiere am Morgen mit dem großen Rucksack und den
Schiern am Rücken, mit der Gruppe mit, um ein Depot mit meinen
Sachen weiter oben zu errichten. Es geht über mehr als zwei
Stunden die Schotterhalde nach hinten ins Tal, bis zum ersten Schnee.
Ich bin sehr langsam unterwegs und muß oft rasten, da ich
noch etwas geschwächt bin und mich der Rucksack ziemlich bremst.
Sobald als möglich schnalle ich meine Schier an, um die Last
zu verringern. Nach einiger Zeit merke ich, daß ich seit ich
auf Schiern gehe, viel schneller geworden bin. Ich muß mich
immer wieder selber bremsen. Am Depot auf 5800m rasten einige aus
der Gruppe. Ich nasche einen Lebkuchen und trinke vom Tee. Bald
darauf gehe ich mit zwei anderen weiter und merke, daß ich
genauso schnell und fast besser beisammen bin, als der Teil der
Gruppe hinter mir.
Auf 6000m machen wir wieder Rast, da die Sherpa und Michi dort
sitzen. Ich lege meine Sachen zum Depot und lasse mich von Michi
überzeugen, dass der vorher gefaßte Plan, auf 6000m umzudrehen
der Richtige ist, auch wenn ich nun gierig auf den Berg bin und
weitergehen möchte. Ich fahre wie vorher besprochen mit "Engl"
hinunter. Trotz der Schalenschuhe und der Höhe geht das Schifahren
ganz gut. In zwei Stunden sind wir wieder im Basislager. Nach dem
letzten Funkkontakt um 21.00 Uhr, lege ich mich hin, kann jedoch
lange nicht einschlafen, weil ich nämlich leichte Magenschmerzen
von der heutigen Anstrengung habe.
Gehzeit: 8h Höhendifferenz: 650m
Do. 14.5.98 Basislager
Ich knotze den ganzen Vormittag im Zelt herum, nur zum Funkspruch
und Frühstück stehe ich auf. Nach dem Mittagessen gehe
ich Zähneputzen und Gesicht und Hände waschen, da dies
doch ein bis zweimal pro Woche gemacht werden sollte. Ich habe geschwollene
Augen und auch der Rücken tut mir weh. Man merkt doch, daß
man sich in dieser Höhe nicht so gut erholt wie unten. Wir
haben traumhaftes Wetter und heute sind sicher einige Bergsteiger
aus anderen Gruppen am Gipfel. Spät abends kommen die Vier
aus unserer Gruppe, die im Lager II waren, ins Basislager zurück,
sie sind ziemlich erschöpft und müde und legen nun zwei
Rasttage ein. Bei uns ist alles vorbereitet zum Abmarsch ins Lager
I.

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