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Otter
Trail - Tsitsikamma National Park, Südafrika
von: Thomas Prade
Allgemeines: Der 41 km lange Otter Trail zieht sich entlang der Küste des
Tsitsikamma National Parks, der etwa auf halben Weg zwischen Mossel-Bay und Port
Elisabeth am Indischen Ozean liegt. In fünf Tagen kann man eine fantastische
Landschaft erkunden und eine gute Zeit in der Natur verbringen.
Übernachtet wird in Blockhütten, von denen zwei für jeweils sechs Personen pro
Nacht zur Verfügung stehen. Die Etappen liegen zwischen 4,8 km (etwa 2
Stunden Laufzeit) und 13,8 km (etwa 6 Stunden Laufzeit). Kochausrüstung und
Verpflegung für fünf Tage müssen mitgebracht werden. Abenteuerlich geht es an
einigen Flussüberquerungen zu, für die zum Teil auf die Gezeiten geachtet werden
muss (Gezeitentabelle ist bei der Registrierung einsehbar). Wer diesen
einmaligen Weg auch einmal laufen möchte, sollte langfristig planen: im
Normalfall sind die 12 Plätze pro Tag (rund ums Jahr) für mindestens ein Jahr im
Voraus ausgebucht, man kann allerdings auf Absagen hoffen.
18.
Januar 2002
Nachdem wir in
Heidelberg wieder auf die N2 gen Osten gefahren sind geht es schneller voran.
Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Storms River, wo wir uns für den Trail
registrieren müssen. Dazu melden wir uns im Büro des Tsitsikamma National Park
an und verschwenden danach viel Zeit mit der Suche nach dem Registrierungsbuch,
das wiederum in einem anderen Gebäude untergebracht ist. Aber hier bekommen wir
auch Informationen über die Gezeiten, was für die Überquerung des Bloukrans am
vierten Tag durchaus wichtig ist. In
strahlendem Sonnenschein packen wir unsere Ausrüstung und Lebensmittel für fünf
Tage. Um 18 Uhr kommen wir schließlich los und haben noch 1 Stunde bis
Sonnenuntergang. In dieser Zeit sollten wir die ersten 4,8 km des Trails auch
schaffen, da es durchaus gefährlich sein kann, im Dunklen auf dem Felsstrand
herum zu tapern. Bereits diese ersten Kilometer stimmen uns für den Rest der
Tour ein: das Branden der Wellen, wundervolle Abendstimmungen und Kraxelei über
Felsen. Als
wir gerade zum Sonnenuntergang am Ngubu Camp ankommen sind unsere Mitwanderer
bereits mit Essen fertig. Wir schmeißen unseren Krempel in eine der Hütten und
freuen uns, dass bereits ein Grillfeuer zu unserer Verfügung steht. Außer uns
wandert ein weiterer Deutscher, sonst ausschließlich Südafrikaner. Beim
Altersquerschnitt sind wir zwei die Jüngsten, mit 59 Jahren ist einer der
Südafrikaner der Älteste. Heute Abend gibt es bei uns gegrillte Maiskolben,
heißen Tee und einen Joghurt als Nachtisch. Noch bevor unser Essen fertig ist
bricht die Dunkelheit wie ein schwarzes Tuch über uns herein und ein
atemberaubender Sternenhimmel erstrahlt über uns. Wir genießen den Abend noch
lange am Lagerfeuer und verkriechen uns erst spät in die Schlafsäcke.
19. Januar 2002
 Als
wir am nächsten Morgen aufwachen sind unsere Mitstreiter schon beim Frühstücken.
Überhaupt scheinen es alle andere eher eilig zu haben und brechen wenig später
bereits auf. Uns soll es recht sein, wir haben die Hütte für uns und können in
aller Ruhe noch ein wenig weiterdösen. In der warmen Morgensonne, die zur Tür
herein fällt, hält uns allerdings auch nichts mehr drinnen. Wir frühstücken
gemütlich den noch übrigen Geburtstagskuchen auf der Veranda und packen dann unseren Krempel wieder ein.
Gegen 11 Uhr
brechen wir schließlich wieder auf. Die heutige - 7,9 Kilometer lange -
Tagesstrecke führt uns zwar entlang der Küste, aber das türkisblaue Wasser
des Indischen Ozeans sehen wir nur selten durch das Dickicht hindurch. Vielmehr verläuft der Pfad oft im
Schatten spendenden Wald, dem Tsitsikamma Forest, der sich hier bis nahezu an
die Küste herunter zieht. Schon bald wissen wir, warum nur so kurze Etappen
angesetzt sind. Zum einen soll die Wanderung natürlich nicht in einen Gewaltakt
ausarten und zum anderen wird man aufgrund des Auf und Ab des Weges genügend
beansprucht. Meist liegen die steilen Anstiege in der prallen Sonne, die zum
Mittag hin schweißtreibend
auf uns herunter strahlt. Ab und zu bekommen wir auf
erhaben gelegenen Punkten doch wieder einen Ausblick auf das Meer, das für uns
sonst meist nur hörbar ist. Aber wir sind froh, ein wenig im Schatten laufen und
hier auch unsere Mittagspause einnehmen zu können. Wir haben für mittags eine
Brotzeit eingeplant, heute mit frischem Snoek (Räucherfisch), Käse und Biltong
(getrocknetes Fleisch von der Kudu-Antilope, Strauss etc.). Am frühen Abend
erreichen wir das Scott Camp, das am kleinen Flüsschen Geelhoutbos liegt. Hier können
wir ein erfrischendes Bad nehmen und anschließend noch ein wenig in der Sonne
ausspannen. Zum Abendessen gibt es bei uns heute frisches Gemüse mit Frischkäse-Dip, Rühreier und Speck. Die anderen aus unserer Hütte sehen uns
etwas neidisch an, aus Gewichtsgründen gibt es bei ihnen nur Tütensuppen. Unter
den Wanderern aus der anderen Hütte sind zwei, die bereits zum zweiten Mal den
Otter Trail laufen. Sie übertreffen unsere kulinarische Ausstattung sogar noch
und haben für jeden Tag vakuumverpacktes Fleisch zum Grillen dabei, keine
schlechte Idee. Auch heute wird es schnell dunkel und nach einer Weile
Sternenguckerei gehen wir schließlich schlafen.
20.
Januar 2002
Als wir aufstehen sind alle anderen bereits wieder unterwegs. So machen wir uns auf der
Veranda unserer Hütte breit und genießen unser Frühstück (Kuchen und Müsli) in
der Morgensonne. Am späten Vormittag machen auch wir uns auf den Weg. 7,7 km
sind heute zu laufen, dazu zwei Flussüberquerungen. Der Weg verläuft heute mehr
im offenen Gelände mit Blick aufs Meer, dafür ohne Schatten. Bäche zum
auffrischen der Trinkwasservorräte gibt es einige (auf der Karte markiert),
allerdings gibt es auch längere Abschnitte ohne diese Möglichkeit. (Man sollte
für mind. 2 Liter pro Person geeignete Gefäße dabei haben, am besten eignen sich
Wassersäcke mit Trinkschlauch). An
der Mündung des Elandsbos müssen wir zum ersten Mal einen Fluss überqueren.
Dieser hier führt nur recht wenig Wasser und nach ein wenig Suchen finden wir
eine Stelle kurz vor der Mündung, wo wir einfach über den Fluss springen können.
Das ist allerdings nur bei Ebbe so, bei Flut muss man weiter landeinwärts durchs
Wasser waten. Wieder auf dem Weg wandern wir in der immer heißer werdenden Sonne
weiter, bis wir einen schönen Sandstrand entdecken. Hier halten wir für einen
Snack und ein erfrischendes Bad im Ozean - eine Wohltat! Kurz bevor wir
die Etappe für heute geschafft haben müssen wir uns noch einen steilen Anstieg
hinaufarbeiten, aber der Ausblick auf die Mündung des Lottering Rivers und die dort
gelegenen Hütten entschädigt uns für die Anstrengung. Schnell sind wir auf Höhe
des Meeresspiegels hinab gestiegen und wandern entlang des Ufers des Lottering
etwas landeinwärts. Wie viele Flüsse, die aus dem Tsitsikamma Forest kommen, ist
auch dessen Wasser rotbraun gefärbt, was auf die darin gelösten Huminstoffe
zurückzuführen ist. Dies stellt also nicht etwa eine Verschmutzung dar. Die
meisten Flüsse in dieser Region haben im übrigen Trinkwasserqualität.

Wir müssen etwa 10 Meter durch das knapp knietiefe Wasser waten, um auf die andere
Seite zu gelangen - eher eine Erfrischung als eine Flussüberquerung ;-)) An den
Hütten des Oakhurst Camps angekommen genehmigen wir uns erstmal eine Dusche aus
dem Wassersack, danach fühlen wir uns wieder gesellschaftsfähig. Die Lage des
Camps ist einmalig - das Rauschen der Brecher ist Musik für die Ohren. Als der
Abend anbricht wirft die Sonne noch immer ihre goldenen Strahlen auf uns. Die
umliegenden Felsen, die hier sehr zerklüftet sind und eigenwillige Formationen
aufweisen, reflektieren diese Wärme. Als wir gerade bei der Zubereitung unseres
Abendessens sind (Reis mit Gemüse) zieht ein Schule
von Delfinen an der Mündung vorbei - entfernt sehen wir sie in den brechenden
Wellen herumtoben. Nach dem Essen setzen wir uns auf einen Felsen und genießen
den Sonnenuntergang, der von Tag zu Tag eindrucksvoller zu werden scheint.

21.
Januar 2002
Wie an jedem Morgen sind die anderen bereits unterwegs, wenn wir aufstehen. Ein
hochsommerlicher Tag steht vor der Tür und wir haben alle Zeit der Welt. Na ja,
nicht ganz. Heute müssen wir etwas genauer kalkulieren, da für den Nachmittag die
Überquerung des Bloukrans angesagt ist. Um 14:50 Uhr ist Niedrigwasser und diese
Gelegenheit sollte ausgenutzt werden. Zudem ist heute die längste Tagesetappe zu
bewältigen - 13,8 Kilometer. Dafür verläuft der Pfad heute mit nicht ganz so
viel Auf und Ab, in den schattigen Waldabschnitten kann man auch die Hitze gut
aushalten.

Pünktlich um 15 Uhr sind wir dann tatsächlich an der Mündung des Bloukrans. Das Wasser ist
schon wieder beim Auflanden, wir müssen uns etwas sputen. Die in der Karte
vorgeschlagene kürzeste Route ist bereits unpassierbar für die, die keine
wasserdichten Packsäcke mitgebracht haben und auch sonst sich nicht durch
brusthohes Wasser wagen wollen. Wir queren den Fluss weiter landeinwärts, und
haben nur durch etwa knietiefes Wasser zu waten. Allerdings stehen wir damit
auch vor einer Felswand, an der wir wieder landauswärts entlang klettern müssen.
Trotz schwerem Rucksack klappt die Kraxelei ganz gut und wenig später haben wir
den Fluss hinter uns gelassen. Von hier ab sind
es noch etwa 4 Kilometer bis zum Andre Camp, die wir eher gemütlich zurücklegen.
Zwischendurch machen wir an einem schönen Felsstrand ein Suppenpäuschen mit
Fernseheinlage: zwei Austernfischer hüpfen vor uns über die Felsen und beäugen
uns misstrauisch. Wir frischen unsere Wasservorräte nochmals auf und nehmen dann
den Rest der Strecke in Angriff. Während des letzten Kilometers ist ein letzter
steiler Anstieg zu erklimmen und als wir auf der nachfolgenden Hochebene in der
prallen Sonne laufen müssen sind wir froh um jeden Schluck Wasser. Schließlich
verläuft der Pfad steil hinab auf Meereshöhe, wo an einem Sandstrand die Hütten
des Andre Camps stehen. Davor liegt ein wunderschöne Bucht, die im Glanz der
Nachmittagssonne erstrahlt. Nach einem Bad in den Wogen und einer anschließenden
Dusche bereiten wir unser Abendessen zu - Nudeln mit Tomaten-Thunfischsoße.
Danach - das Sonne taucht den Strand gerade in ein goldenes Licht - spazieren
wir an der Bucht entlang und schießen massenhaft Bilder.


22.
Januar 2002
Unser letzter Tag auf dem Otter Trail ist angebrochen und es sind nur noch 6,8 km bis
nach Nature's Valley. Die letzten Kilometer ziehen sich durch eine Fynbosregion
(feinblättrige Hartlaubgewächse) über eine Hochebene. Es ist leicht bewölkt, was
eigentlich ganz angenehm ist. Stellenweise stehen zwischen der eher niedrigen
Vegetation noch Stümpfe von älteren Büschen, die einem Flächenbrand zum Opfer
gefallen sind. Buschfeuer sind ein wichtiger Bestandteil des hiesigen
Nährstoffkreislaufes, da sie den ansonsten nährstoffarmen Boden düngen. Am
frühen Nachmittag erreichen wir Nature's Valley, das an einem kilometerlangen
Sandstrand liegt. Am Strand angekommen springen wir erstmal in die türkisgrünen
Fluten um uns abzukühlen. Über den heißen Sand laufen wir in den kleinen Ort,
der hauptsächlich aus Ferienhäusern besteht. Wir haben im Hiker's Haven
Backpacker ein Zimmer gebucht und waschen bei einem heißen Bad die Anstrengungen
der letzten Tage ab. Anschließend kaufen wir Obst, Eis und leckere Säfte ein und
gehen im einzigen Restaurant sehr lecker essen. Am Abend waschen wir noch kurz
unsere Wäsche und legen uns dann erschöpft, aber glücklich ins Bett. Für den
nächsten Tag haben wir beim Beisitzer des Backpackers einen Transport zurück zu
unserem Auto in Storms River gebucht.

Otter
Trail - Tsitsikamma National Park, Südafrika
von: Thomas Prade

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